Review von This borderline fuckup is still about to drool

Der Begriff “Pop” soll Musik bezeichnen die populär ist. Musik die schnell rein- und genauso schnell wieder rausgeht, für Otto Normalhörer auf Anhieb begreifbar ist und gnadenlos ins Ohr geht.  “Pop” ist das Fast Food der Musik-Industrie und genauso geliebt wie verschriehen wie ein dicker Big-Mac vom Fließband. Raum für Innovationen, Experimente oder Neuinterpretationen bleibt da wenig. Schön, dass es doch ein paar Bands gibt, die versuchen das eine mit dem anderen zu verbinden. Man könnte es “Indie-Pop” nennen, wenn man völlig ausgeflippt wäre. Denn eigentlich sind das zwei Wörter, die sich gegenseitig ausschließen.

Im Falle von Tending to Huey würde ich es lieber “experimentellen, schwer angeschrägten, aber verdammt musikalischen Pop” nennen. Oder wie die drei Würzburger ihre Philosophie selbst beschreiben: “trying to make pop music interesting since 2010″. Tending to Huey spielen Pop, ja. Es ist leichtfüßig, melodisch, versessen in Melodien und (Halb-)Refrains, nicht zu gitarrenlastig, aber auch nicht zu elektronisch oder allzu abgedreht. Schräg ist die Musik auf “Poison Apple” dennoch. Alleine die Liste an Instrumenten, die hier verwendet wurden, deutet darauf hin: neben der typischen Rock-Instrumentation (+zweitem Schlagzeug) hört man auf dem Album auch Keyboards, Synths, eine Mundharmonika, diverse (nicht allzu übliche) Blas-, Schlag- und Saiten-Instrumente sowie Samples und Loops. Ja, sogar Glasflaschen verwendeten die Drei. Leere versteht sich. Alles andere als leer klingt die Musik. Man merkt der Band vom ersten Moment an ihre Experimentierfreude an, gleichzeitig zügeln sie diese aber so sehr, dass am Ende viele hitverdächtige Songs bei rauskommen.

Nach dem Intro “Belinga Belinga” folgt mit dem eigentlichen Opener “Micromastia” einer der größten Kracher der Scheibe. Musikalisch schon relativ experimentell, elektronisch und in den Strophen auch angeschrägt, entwickelt der Refrain Ohrwurmpotenzial. Der weitere Albumverlauf gestaltet sich sehr aufregend, weil man nicht wirklich weiß, was Tending to Huey als nächstes in petto haben. Die Art und Weise wie sie Samples als Beats verwenden lässt die Songs manchmal zu einem Hip-Hop-Funk-Biest (“Sacha Chua”, “Girl, are you crazy?”) mutieren, allerdings beschränken sich die Würzburger nie auf einen Stil. “Shady Side” etwa greift tief in die Schmalz-Pop/Schmacht-Pop-Kiste, während “Ibra Himali” mit seinen Didgeridoo-mäßigen Sounds und der eigenartigen Songstruktur anspruchsvoller und schräger, aber umso sympathischer daherkommt. Doch egal ob Up-, Mid- oder Low-Tempo, egal ob spastisch oder einfach, egal ob gefühlsvoll oder krank, Tending to Huey bekommen es hin aus all diesen Ideen richtige Songs zu machen. Natürlich sollte man Liebe für die Herangehensweise der Band mitbringen. Die mal ein-, dann wieder zweistimmigen Vocals sind ebenso schwer gewöhnungsbedürftig, sie funktionieren aber perfekt als weiteres “Instrument”, interagieren mehr mit den anderen Instrumenten, als irgendwas in den Schatten zu stellen. Oft stehen sie allerdings alleine im Raum, was vielen Songs einen “Acapella”-mäßigen Touch verleiht…

Nach dem starken Beginn zieht “Poison Apple” erst in der Mitte richtig an, da folgt dann ein starkes Stück nach dem anderen. Gipfelnd im verträumten, äußerst stilvollen “The Last Snow of Winter”, das zum Schluss hinaus auch wieder einen Haken schlägt. Bis dahin fühl ich mich auch prächtig unterhalten. Im Schlussdrittel bricht das Album, meiner Meinung nach, aber etwas weg. Nicht, dass die letzten Stücke dahingeschludert wären, aber die ersten 25-30 Minuten der Platte unterhielten mich besser als die letzten Songs. Da verlieren mich die Würzburger dann doch etwas, was vielleicht an der Überfülle an Sounds liegt. Abgesehen davon, sei zum Thema “trying to make pop music interesting” nur eins gesagt: Mission completed!

7/10
Vielen Dank an Alessandro von This borderline fuckup is still about to drool

Kommentare

  1. tendingtohuey » Blog Archive » Alle Reviews auf einen Blick sagt am :

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